Abfahrt

Pünktlichkeit in Griechenland

Dieser Artikel sollte der Herzen der Fähre-Fahr-Fans höher schlagen lassen. Es geht um die Fahrt von Patras nach Ancona mit der Cruise Europa. Vorweg ist zu sagen, dass eine Fährfahrt auf dem Mittelmeer mit einer Fahrt auf der Ostsee absolut nicht zu vergleichen ist.

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Achtung Kontrolle

So stand ich mit dem Krankenwagen vor dem Hafen und war natürlich zu früh dort. Man durfte noch gar nicht einfahren. Ich wartete also noch 10 Minuten und zeigte mein Ticket eben noch einmal vor. Danach ging es zu einer Überdachung mit mehreren Spuren und einer weiteren Überprüfung. Damit hatte ich innerhalb der EU eigentlich nicht gerechnet. Aber es ist ja nur positiv. Da ich nichts zu verbergen hatte, sah ich dies relativ entspannt. Unter dem Dach stand bereits ein LKW, bei dem der Trailer geöffnet war und zwei Polizisten in diesem auf der Ware herumkletterten.
Ich sollte mit meinem Krankenwagen dann bitte rechts anhalten und den Motor ausmachen. Ich stellte mich hinter einen Sprinter mit getönten Fensterscheiben. Dieser gehörte wohl zu den Beamten.

Ein Herr in Zivil stellte sich mir vor und fragte mich, ob ich Drogen dabei hätte oder Alkohol getrunken hätte. Er war dabei nicht sonderlich freundlich, aber auch nicht unhöflich. Ich verneinte beides und er bat mich, hinten das Auto zu öffnen.

Auf dem Bett lag ein Sixpack Mythos-Bier von Lidl, da ich dieses Bier gerne mochte. Er fragte mich sogleich, ob ich noch mehr Alkohol dabei hätte oder schon was getrunken hätte. Ich zeigte ihm mein verbliebenes Bier und sagte erneut, dass ich nichts getrunken habe. Innerhalb der EU darf man im Übrigen so viel Alkohol transportieren, wie man möchte. Deswegen war ich weiterhin sehr entspannt. Er fragte mich, wieso ich so viel Bier dabei habe. „Ich trinke halt gerne Bier, allerdings nicht vor dem Auto fahren.“. Er wies mich noch einmal darauf hin, dass es nun sinnvoll wäre, ihm mitzuteilen, ob ich Drogen dabei hätte. Langsam war ich dann davon doch etwas genervt und sagte erneut, dass ich keine Drogen transportiere.

Die beiden Polizisten in Uniform begutachteten den Inhalt des Kühlschranks, meines Kleiderschranks und der Kochkiste. Die Polizisten waren freundlicher und mit dem einen unterhielt ich mich über den Krankenwagen und warum ich damit Campen fahre. Der „Chef“ erhielt währenddessen einen Funkspruch und sprach aufgeregt ins Funkgerät zurück. Er sagte etwas auf griechisch zu seinen Untergebenen und gab mir zu verstehen, dass alles okay sei und ich nun schleunigst weiterfahren soll. Dann fiel mir auf, dass ich den Polizei-Sprinter wohl zugeparkt hatte. Dieser stand nämlich nun mit laufendem Motor hinter mir. Ich startete den Krankenwagen und fuhr vor, der Sprinter rauschte zügig an mir vorbei.

Allein im Hafen

So war ich nun im Hafen – ein leeres Gefühl zwischen beiden Ländern – Griechenland und Italien. Erst jetzt machte ich mir Gedanken, wo ich denn eigentlich hin musste. In der Ostsee bin ich schon öfter mit der Fähre gefahren, dort war alles in jedem Hafen idiotensicher ausgeschildert, es waren Spurmarkierungen auf dem Boden, Schilder und Hütchen aufgestellt, sodass man sein Schiff finden konnte. Meist ist das Schiff aber auch schon da, wenn man im Hafen ankam. Das war diesmal nicht der Fall. Das Schiff von Anek Lines lag im Hafen, eine Superfast Fähre ebenfalls, aber die Cruise Europa war nicht zu sehen. So fuhr ich über die riesige leere Betonfläche und stellte mich an einem leeren Anleger hin. Dort stand bereits ein anderes deutsches Wohnmobil. Ich unterhielt mich kurz mit dem Fahrer – wir hatten das gleiche Ziel und die gleiche Unwissenheit. Super. Wir warteten also.

Warten...
Warten…

Die Sache mit der Pünktlichkeit

Als dann der Zeitpunkt kam, an dem das Schiff eigentlich schon ablegen sollte, schaute ich mal auf die Karte von Marinetraffic.com. Das Schiff kam zwar, aber war noch nicht in Sicht – sonderlich schnell ist es auch nicht gefahren. In der Ostsee wurde so eine Verspätung meist schon im Voraus angekündigt, sodass man sich drauf einstellen konnte. Hier war das wohl normal – mittlerweile hatte sich der Platz doch noch mit ein paar Autos, Wohnmobilen, Bussen und einigen LKWs gefüllt.

Das Schiff der Anek Line war auch schon lange losgefahren. Ich schaute noch einmal in die App hinein und langsam müsste die Cruise Europa in Sicht kommen. Und irgendwann war es dann so weit:

Da ist sie..
Da ist sie..

Langsam kam Erleichterung auf, dass es nun ja nicht mehr so lange dauern kann. Meine Tasche mit Kulturbeutel, Wechselsachen, iPad, Lidl-Lebensmitteln und Getränken war gepackt. Ich wollte auf der Fähre eigentlich nichts konsumieren, weil ich schon geahnt habe, dass dies wohl sehr teuer und qualitativ nicht berauschend sein würde.

Nun erschienen aus dem Nichts sogar ein paar Einweiser und bildeten aus den Autos, Wohnmobilen und LKWs einige mehr oder weniger sinnvolle Warteschlangen.

Cruise Europa beim Anlegemannöver
Cruise Europa beim Anlegemanöver

Einschiffen

Alle saßen nun abfahrbereit in ihren Autos. Die Fahrzeuge kamen bereits aus dem Schiff heraus. Auch wenn das Schiff Verspätung hat, muss man doch sagen, dass das Be- und Entladen hier deutlich schneller geht, als es in der Ostsee der Fall ist. In kürzester Zeit waren alle raus und wir konnten reinfahren. Das Autodeck war natürlich über eine Rampe zu erreichen. Ich war gespannt, wie dies mit dem Krankenwagen machbar ist. Es lief aber alles gut ab. Das Schiff sah auf den ersten Blick gepflegt aus. Ich wollte aber nun erstmal in die Kabine und danach an Deck ein Bier trinken. Dann kann eine genauere Begutachtung folgen.

Die Kabine

Schnell bezog ich meine Kabine. Ich hatte aufgrund der Bewertungen im Internet nicht viel erwartet – auch was die Sauberkeit angeht. Ich wurde aber nicht negativ überrascht. Es war nun nicht perfekt, aber besser als gedacht. Die Decken waren Wolldecken „umzogen“ mit einem Laken. Wenn man gesucht hätte, hätte man sicher hier und da eine schmutzige oder staubige Ecke gefunden – aber ich hab es mir verkniffen.

Kabine
Kabine

Das Badezimmer war bis auf den nicht gesäuberten Spiegel in einem guten Zustand. Es gab eingepackte Becher, Seife, Handtücher. Die Dusche war natürlich sehr klein, aber das ist auf der Fähre meistens so. Ich war unglaublich froh darüber, dass ich überhaupt mein eigenes Bad hatte. Die öffentlichen Sanitäreinrichtungen auf dem Schiff habe ich nicht benutzt.

Badezimmer
Badezimmer

Ab aufs Deck

Zügig schnappte ich mir eine (gekühlte) Dose Bier und begab mich nach Draußen. Hier hieß es nun, Abschied von Griechenland zu nehmen.

Das letzte Bier in Griechenland
Das letzte Bier in Griechenland

Vom Schiff hatte man auch noch mal einen tollen Überblick über den Hafen von Patras. Gut zu erkennen ist auch die „Unordnung“, die hier herrscht. Zum Glück war es zu diesem Zeitpunkt nicht sehr voll. Im Gegenteil – es war sogar ziemlich leer.

Und dann ging es auch schon los – Abfahrt!

Abfahrt
Abfahrt

Schiffsbesichtigung

Nach einem weiteren Bier an Deck erkundete ich dann das weitere Schiff. Ich schaute mir die Speisekarten der Restaurants an und war wirklich beeindruckt, wie teuer das alles sein soll. Zum Glück habe ich vorgesorgt und genügend griechisches Gebäck für die Reise mitgenommen. Das war zwar keine ausgewogene, aber eine günstige und leckere Ernährung. Ich war mir auch sicher, dass ich am Abend in Italien auf jeden Fall eine Pizza essen werde. Da freute ich mich schon seit mehreren Tagen drauf.

Die Lounge war nahezu leer. Es war sehr viel Platz, sodass man sich entspannt hinsetzen konnte und seine Ruhe hatte. An Deck sah das hingegen ganz anders aus. Sämtliche Liegen waren von „Campern“ belegt – teilweise waren sogar Iglu-Zelte aufgestellt. Dies war für mich etwas verstörend. Warum baut man auf einem Schiff mit viel Wind auf dem Deck ein Zelt auf? Der Wind war zwar sehr warm, aber in einem Zelt stelle ich mir dies trotzdem nicht angenehm vor. Der Pool war geschlossen, aber vielleicht macht er am nächsten Tag ja auf.

Ich trank noch ein Bier und begab mich dann auch auf die Kabine, ging duschen und habe noch lange gelesen. Es war schön, mal wieder Zeit zum Lesen zu haben. Auf der Schiffsreise habe ich fast ein komplettes Buch durchgelesen. Dies ist für meine Verhältnisse durchaus viel.

Der nächste Morgen

Auf Fähren schlafe ich immer wie ein Stein. Das war auch hier nicht anders. Zum Frühstück gabs ebenfalls griechische Spezialitäten vom Lidl. Auf einen Kaffee und einen O-Saft wollte ich hingegen trotzdem nicht verzichten und bestellte mir dies in der Lounge. Leider hat beides sehr bescheiden geschmeckt und war ziemlich teuer. Naja – egal. Dies bestätigt mich nur in meiner Vorausahnung, genug Essen zur Selbstversorgung mitgenommen zu haben.

Auf dem Monitor im Schiff, die die Position, die Geschwindigkeit, Wind etc. anzeigt, habe ich unsere Route verfolgt und hatte die Vorahnung, dass wir noch unpünktlicher in Italien ankommen würden, als wir abgefahren sind. Mir war die Höchstgeschwindigkeit des Schiffes und die Reisegeschwindigkeit bekannt. Warum wir trotzdem langsamer fuhren und die Verspätung nicht einholen, war mir absolut schleierhaft.

Hintergrund der Gedanken war, dass ich mir schon einen Campingplatz in Italien rausgesucht hatte – dort gab es ein Pizza-Restaurant, das mir meinen heftigen Drang nach Pizza sicher erfüllen kann. Aber ich muss natürlich auch rechtzeitig dort sein und hatte von Ancona aus noch eine gewisse Strecke vor mir. Des Weiteren hatte der Campingplatz einen Pool. Diesen wollte ich ebenfalls gern nutzen.

Zwangsentspannung

Wie bereits erwähnt, habe ich viel gelesen. Teilweise an Deck, teilweise in der Kabine. Zwischendurch immer mal was gegessen, Nickerchen gemacht, nochmal geduscht und einen Rundgang gemacht. Man könnte fast sagen, dass alleine Fähre fahren doch nicht ganz so abwechslungsreich ist, wie wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist. Länger hätte die Fahrt jedenfalls nicht sein müssen. Internet gab es schließlich auch keins. Es war zwar ein WLAN vorhanden, dies funktionierte aber nicht. Irgendwann wurde eine Durchsage gemacht, in der eine Verzögerung bei der Ankunft angekündigt wurde. Man könne sich einen Gutschein für eine zusätzliche Mahlzeit abholen.

Mich überraschte das natürlich nicht. Ich holte mir umgehend den Gutschein ab. Die Mahlzeit bestand aus einer Flasche Wasser und einem Schokoladen-Muffin. Der Muffin war lecker, aber eine „Mahlzeit“ war dies natürlich nicht.

Aufbruchsstimmung

Als ich dann gerade wieder in der Kabine war, kam die Durchsage, dass man sich doch bitte demnächst in der Lounge einfinden soll, damit die Kabinen schon mal gereinigt werden können. Das fand ich nicht so toll – aber was solls. Saßen nun alle noch eine Stunde in der Lounge oder an Deck herum. Dann kam Ancona allerdings in Sicht.

Ancona
Ancona

Anlegen

Aufgrund der Verspätung war das Schiff der Anek Line natürlich schon im Hafen vertäut. Das Anlegemannöver war spannend zu beobachten und es war schön, Ancona mal wieder zu sehen. Es ist wirklich eine schöne Stadt. Ich wäre gern noch einen Tag geblieben, aber musste aufgrund der Arbeit zeitig nach Hause.

Ancona
Ancona

Die Wartezeit im Autodeck betrug fast eine Stunde, bis man endlich herauskam. Dies erschien mir in Griechenland deutlich schneller. Die Rampe, die sich hoch- und herunterfahren lies, war tatsächlich auch noch mit Autos zugeparkt. Diese mussten dann rückwärts die Rampe herunterfahren. Witzig war, dass eine ältere Dame ihre Fahrzeugtür während des Herablassens der Rampe aufmachte und diese fast von einer Querstrebe abgerissen worden wäre, wenn das Fährpersonal nicht so aufmerksam reagiert hätte. Eben dieser Dame musste das Fahrzeug dann auch vom Fährpersonal die Rampe heruntergefahren werden. Im Hafen selbst gab es keine nennenswerte Kontrolle. Die komplizierten Kreuzungen vor Ancona waren mir bereits bekannt. Der Straßenzustand war mir allerdings nicht bekannt – dies war deutlich schlimmer als 2016. Hier gab es tiefe Schlaglöcher und Risse. Dies war die schlechteste Straße auf der gesamten Fahrt.

Ich fuhr zügig in der Dämmerung gen Norden und freute mich auf die Pizza, den Pool und mein eigenes Bett.

1 COMMENT
  • Roadtrip Griechenland 2018 - weltverbenzer.eu
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