lackiert

neue Hinterachse für die Limo

Viel gab es in letzter Zeit nicht zu hören. Trotzdem ist viel passiert. Unter anderem hat die Limousine nun endlich eine neue Hinterachse eingebaut bekommen! Über Monate wurde eine gebrauchte Achse aus einem geschlachteten Miesen-Krankenwagen liebevoll wieder hergerichtet.

Demontage der Schlacht-Hinterachse

Als erstes musste die Schlacht-Achse natürlich demontiert werden. Begonnen wurde gleich mit dem schwierigsten Teil: Den Topflagern. Dies sind die vier Verbindungsstücke zur Karosserie. Am schönsten wäre es, wenn man sie einfach herausziehen und die neuen wieder einsetzen könnte. Leider ist es nicht ganz so einfach. Von Lösungsansätzen, die Lager mit dem Schraubenzieher und Hammer im eingebauten Zustand rauszuholen, bis ausbrennen mit dem Gasbrenner, war alles dabei. Wir haben uns dafür entschieden, eine hydraulische Presse zu benutzen und dabei auch die neuen Lager gleich wieder einzubauen.

Achse_unvorbereitet
Achse unvorbereitet

Weiter ging es damit, die Radnarben, Radlager, Antriebswellen und das Differential abzubauen. Die Streben der Raumlenker-Konstruktion wurden erstmal an ihrem Platz belassen, damit die richtige Einbaulage nicht verloren geht.

Zwischendurch ist natürlich auch immer mal aufgefallen, dass noch Teile benötigt werden.

Entrosten

Weiter ging es mit dem Entrosten. Nach langem Hin- und Her Überlegen lief es auf eine Nagelpistole mit anschließender Rostumwandler-Behandlung hinaus. Man hätte die Achse auch zum Sandstrahlen bringen können, aber erstens wollte ich gerne alles selbst machen und zweitens kostet dies natürlich auch wieder mehr Geld. Die Nagelpistole hat jedenfalls ihren Job gut erfüllt. Betrieben mit Druckluft konnte man jeglichen losen Rost gut entfernen. Wie im Bild erkennbar ist, lässt sich der Schmutz damit ebenfalls gut entfernen.

Nagelpistole
Nagelpistole in Aktion

Nach einiger Zeit war der lose Rost gut entfernt. Insbesondere an den Kanten und Schweißnähten hatte sich dieser angesammelt.

Entrostung
Entrostung

Weiter ging es mit der chemischen Entrostung. Ich kannte den Rust Converter von Kent vorher nicht, aber es ist wirklich ein gutes Zeug. Man trägt es mit dem Pinsel auf. Dank der zähen Konsistenz verläuft es auch nicht und da es wasserlöslich ist, kann man den Pinsel auch wieder einfach reinigen. Einzig ist drauf zu achten, den Pinsel niemals in das Behältnis zu tunken. Die benötigte Menge sollte immer in eine kleine Schale gegossen werden.

Nach einiger Zeit färbt sich der weiße Schaum von leicht blau zu lila und schließlich zu schwarz. Dabei hat sich eine sehr harte Kruste gebildet. Laut dem Hersteller muss diese nicht mal mehr lackiert werden, wenn es nicht gewünscht ist. Sollte die Kruste noch Brauntöne enthalten, wird der Prozess einfach wiederholt.

Rust Converter
Rust Converter

Lackieren

Nun kam der Teil, der mir am meisten Spaß gemacht hat, weil die Achse wirklich hübsch aussieht. Sie wurde in glänzender Hammerite Farbe Schwarz lackiert. Leider sind die Fotos aufgrund meiner Aufregung nicht so gut geworden. Trotzdem kommt die Schönheit eines neuwertigen Achsgeweihs gut zur Geltung.

lackiert

lackiert

lackiert

Montage

Viel fehlte nun nicht mehr, bis die Achse eingebaut werden konnte. Die Buchsen der Federlenker mussten aus- und eingepresst werden und die neuen Streben wurden an das Achsgeweih montiert. Im Nachhinein gesehen, war das Buchsen wechseln an den Querlenkern unnötig. Diese waren vom Kombi und konnten in die Limousine ohne Niveauregulierung gar nicht eingebaut werden. War normal auch bekannt, haben wir aber leider einfach vergessen. Das Differential, die Antriebswellen und Radnarben wurden natürlich aus der Limo übernommen, sodass die Radlager erst beim Ausbau gewechselt werden konnten.

Ausbau der alten Hinterachse

Mit dem Gefühl, alles sogut wie möglich vorbereitet zu haben, kam die Achse aus der Garage zu der Werkstatt und es wurde ein Termin abgesprochen und eine Kiste Bier besorgt. Dann ging es leider doch ein paar Tage später als geplant los. Die alte Achse wurde entnommen. Mittlerweile hatte ich gedanklich doch ein wenig Stress, weil nur noch 1,5 Wochen Zeit bis zum Ski-Urlaub im 1.001km entfernten Ischgl in Österreich waren. Bis dahin wollte ich gerne noch ein wenig fahren um zu schauen, ob alles in Ordnung ist.

Aber nun gab es eh kein Zurück mehr. Die alte Achse war draußen.

Achse ausgebaut
Achse ausgebaut

Unterboden vorbereiten

Nun war ich am Hoffen und Bangen, wie die Achsaufnahmen an der Karosserie denn aussehen. Zum Glück nur Flugrost, der mit der Drahtbürste entfernt wurde. Als der Schmutz und Rost entfernt war, kam an den kritischen Stellen mehrfach der Rostumwandler drauf.

Unterboden
Unterboden

Sicher ist das nicht perfekt und man kann vieles besser machen, aber für das erste Mal Hinterachse wechseln, bin ich trotzdem stolz drauf! 😛

Die Bremsleitungen wurden in dem Zuge natürlich auch neu gemacht. Und zwar wurden keine Stahlleitungen benutzt, sondern Kunifer. Vorteil ist, dass diese nicht rosten und sich mit der Hand biegen lassen, was die Verarbeitung deutlich vereinfacht hat.

Vorbereitung Achse

Nun war noch einiges zu tun. Das Differential, die Antriebswellen und die Radnaben mussten nun aus der alten Achse raus und in die neue Achse rein. Dabei wurden provisorisch auch die Radlager getauscht. Leider ist eins davon beim Abziehen auseinander gegangen, sodass wir dabei dann doch noch Hilfe mit einer großen Presse brauchten. Die zweimal fünf Streben an den Radnaben festzuschrauben, hat sehr viel Spaß gemacht. Es gibt einfach nichts schöneres, als komplett neue Teile mit neuen Schrauben zu verbauen. Ein sehr befriedigendes Gefühl ist das.

Vorbereitung Achse
Vorbereitung Achse

Auf dem Foto ist auch das große Ärgernis zu erkennen: Die falschen Federlenker für Fahrzeuge mit Niveauregulierung sind bereits montiert. Da die Stoßdämpfer dabei viel größer als die normalen sind, sind zwei Bolzenlöcher pro Seite vorhanden. Somit ist es nicht möglich, den normalen Stoßdämpfer zu montieren. War allen bekannt und doch hat keiner drauf geachtet. Aber dazu später mehr.

Die Bremsen wurden erst wieder montiert, als die Achse bereits am Fahrzeug war. Es wäre sehr störend gewesen, wenn die Handbremsseile herumbaumeln und bevor die Bremsscheiben angebaut werden, müssen die Seile an der Handbremse eingehängt werden.

Wir haben es geschafft, das Differential nicht von den Antriebswellen zu trennen, sodass die Schrauben nicht ebenfalls erneuert werden müssen. Der Aus- und Einbau war recht unkompliziert. Komplizierter war es hingegen vorher, die neuen Differentiallager zu verbauen. Die alten waren sehr sehr fest in der Achse verrostet. Nächstes Mal wird ein passendes Werkzeug angefertigt und zwar das hier beschriebene: Archiv.MB124.de – Aufhängung des Differentials erneuern.

Einbau

Die Achse war nun soweit fertig montiert und befand sich unter dem Auto. Die neuen Bremsleitungen waren auch bereits montiert. Nun ging es los, die Achse mit dem großen Wagenheber und Millimeterarbeit unter das Fahrzeug in die Aufnahmen zu bugsieren. Die Federn wollten dabei nicht so ganz mitspielen. So wurde nach zwei Versuchen entschieden, die Federn hinterher mit dem Federspanner einzubauen.

Ohne Federn war der Vorgang schnell erledigt. Die vier großen Teller der Topflager wurden festgeschraubt und der Wagenheber abgelassen. Leider war der Federspanner zu lang, sodass die Federn hinterher doch nur mit großer Gewalt und Herunterdrücken der Radnabe hineingingen. Aber das war nicht weiter schlimm.

Nun sollten die Stoßdämpfer wieder montiert werden. Und dabei fiel auf, dass es leider aus oben genannten Gründen nicht ging. Das war natürlich sehr ärgerlich. Zumal das Auto unbedingt an dem Abend noch aus der Werkstatt heraus musste.

Ab da verließ uns das Glück dann auch. Die Montage der Handbremse war leider so fummelig, dass es nicht geklappt hat. Obwohl schon ein paar Mal gemacht, wollte es an dem Abend nicht gelingen. Um halb 1 Uhr nachts haben wir das Auto dann ohne Stoßdämpfer und ohne Handbremse aus der Halle auf den paar Hundert Meter entfernten Hof gefahren. Die alten Federlenker, den Rostumwandler und die Farbe habe ich mit nach Hause genommen und direkt noch mit der Drahtbürste und dem Rostumwandler behandelt.

Nacharbeiten

Die beiden Lager wurden am nächsten Tag bei der nächsten Werkstatt bestellt und waren am gleichen Tag noch verfügbar und wurden in den frisch lackierten Federlenker eingepresst.

Nun war anzumerken: Es war Mittwoch. In der Nacht von Freitag auf Samstag war geplant, mit dem Fahrzeug 1.000km nach Österreich in den Ski-Urlaub zu fahren. Dies wirkte sich langsam auf mein Stress-Level aus, da ich eigentlich schon noch ein bißchen im nahen Umfeld „testen“ wollte.

Weiter im Text. Am Mittwoch nach der Arbeit habe ich das Auto auf dem Hof mit dem schönen großen Wagenheber angehoben und beide Federlenker recht problemlos ausgetauscht. Auf den Federspanner hatte ich diesmal keine Lust, weil ich auch alleine war. Also habe ich gleich einen zweiten Wagenheber genommen, den Federlenker innen abgestützt, losgeschraubt und langsam abgelassen. Dann konnte die Feder ohne Spannung entnommen werden. Der Einbau lief in umgekehrter Reihenfolge problemfrei. Die Stoßdämpfer sind mit ihrer Schraube oben und unten auch kein Hexenwerk.

Donnerstag: Nach der Arbeit ab zum Auto und direkt zur Werkstatt zum Spur einstellen und Bremsflüssigkeit wechseln. Dies lief ebenfalls ohne Probleme. Dann bin ich endlich mal wieder mit meinem eigenen Auto nach Hause gefahren. Ich hab mich wirklich sehr gefreut. Auf den ersten Blick gab es auch keine Probleme. Die Spur ist leider nicht perfekt eingestellt aber auch nicht schlechter als vorher. Aber das ist beim W124 auch nicht so einfach, das kann nicht jeder perfekt. Aber es war besser, als gar nicht.

Ende gut, alles gut

Freitag: Ich war ein wenig aufgeregt, endlich mit meinem Auto wieder zur Arbeit zu fahren. Dann fiel mir aber bei Unebenheiten doch ein einmaliges Klappern auf. Nach kurzer Google-Suche auf der Arbeit fand ich heraus, dass es nur sein kann, dass ich die Stoßdämpfer nicht fest genug angeschraubt habe. Es war auch deutlich zu hören, dass das Geräusch von Hinten rechts kam.

So bin ich vorsichtig wieder nach Hause gefahren und zwischen Sachen packen und Haus aufräumen habe ich noch eben auf dem Fußweg parkend die Stoßdämpferschrauben festgezogen. Eine kurze Probefahrt hat ergeben: keine Geräusche mehr. Die Fahrt in den Urlaub kann kommen.

Nun noch schnell das Auto geputzt, betankt und beladen. Die Passagiere (mein Bruder und seine Freundin) sind auch bereits eingetroffen.

frisch gewaschen
frisch gewaschen

Noch zwei Bier getrunken und um 4:30 Uhr ging es los.

Der W124 hat die gesamten 2.002km nach Österreich und zurück problemlos gemeistert und ich war überglücklich.

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